Chronik - Feuerwehr Schutzbach

Die Feuerwehr

aus dem Daadetaler Geschichtsbrief Nr. 23 Jahrgang 16 - Heft 1/2025: 650 + 5 Jahre Schutzbach

Das Feuerlöschwesen war in den früheren Jahrhunderten sehr unvollkommen, obwohl mehr Brände vorkamen als heute.

Die Häuser waren zumeist aus Holz gebaut und mit Strohdächern gedeckt. Die nötigen baupolizeilichen Vorschriften, die heute zum Einsatz kommen, fehlten damals ganz, und die Menschen ließen oft auch nötige Vorsicht vermissen. Deshalb kam es immer wieder zu Feuersbrünsten in den Ortschaften. Den Geschädigten blieb zu dieser Zeit nur das "Brandbetteln".

Ganze Ortsteile fielen oft dem Feuer zum Opfer. So im Jahr 1799 in Nisterberg oder 1895 beim großen Mühlhofsbrand in Daaden.

Wann die Anfänger einer Pflichtfeuerwehr in Schutzbach vorangetrieben wurden, lässt sich heute schwer bestimmen. In der Chronik "600 Jahre Schutzbach" aus dem Jahre 1970, die der damalige Verbandsbürgermeister Wilhelm Langenbach verfasste, geht Folgendes hervor:
"Von der Pflicht- zur freiwilligen Feuerwehr. Heinrich Scholl, 85 Jahre alt, jetzt wohnhaft in Alsdorf, erinnert sich daran, daß es in Schutzbach seit dem Jahre 1906 eine Pflichtwehr gegeben hat. Ehe diese Pflichtwehr geschaffen wurde, bestand für jeden Haushaltsvorstand die Verpflichtung, zur Brandbekämpfung einen Ledereimer vorrätig zu halten. Aus der Gemeindechronik ist zu entnehmen, daß die Gemeindevertreter am 11. Juni 1911 beschloß, der Pflichtfeuerwehr einen Schlauchwagen (nicht zu groß), 15m Schlauch, ein Strahlrohr und 2 Uniformen zu beschaffen.

Willi Schneider aus Schutzbach weiß zu berichten, daß es ein altes Feuerwehrhaus gab, das in den 1920er Jahren abgerissen worden ist. Er weiß sich weiter zu erinnern, daß lange Jahre Robert Schneider Brandmeister war und daß er 1913/14 von Wilhelm Stinner abgelöst wurde.

Ganz einig scheint man sich in der Schutzbacher Wehr nicht immer gewesen zu sein. So finden sich im Protokollbuch der Gemeinde folgende Beschlüsse:
26. Februar 1930: Brandmeister wird Erhard Höfer, am 11. September 1930 wird er abgelöst von Ewald Weber, und am 20. April 1931 folgt bereits Gustav Kunze, und schließlich kam am 6. Juli 1931 wieder Wilhelm Stinner.


Die Schutzbacher Feuerwehr um 1927 vor der Gastwirtschaft Stinner

In 16 Monaten also 4 Brandmeister! Nach Wilhelm Schneiders Erinnerung folgte auf Wilhelm Stinner Heinrich Ermert, der das Amt bis zum Kriegsende versah.

Die Besatzungstruppen wünschten zunächst keine Feuerwehr, weil sie darin eine militärische Einrichtung sahen. Die Gefahr von Wald- und sonstigen Bränden ermöglichte jedoch einer kleinen Wehr, die 1945 zunächst kommissarisch von Willi Schneider und später Gustav Kaiser gehführt wurde.

Im Spätsommer 1950 wurde eine Freiwillige Feuerwehr aus der Taufe gehoben, der spontan 28 Mitglieder beitraten. Zum Brandmeister wurde Helmut Weber, der heutige Bürgermeister, gewählt. Bereits im gleichen Herbst beschaffte die Gemeinde eine Motorspritze.

Welche Brände durch die Pflichtfeuerwehr bekämpft worden sind, läßt sich im einzelnen nicht mehr feststellen. In einer Zeitungsnotiz aus dem Jahre 1952 wird festgestellt, daß seit Jahrezehnten keine Brände in Schutzbach mehr aufgetreten seien.


Feuerwehrübung in den 1950er Jahren

Am 13. August 1952 gabe es einen erneuten Waldbrand in der Gemeinde Alsdorf mit zwei Brandherden, etwa 500m unterhalb des Bahnhofes Schutzbach.

Besonders hervorzuheben ist der Bau eines Steigerturmes in Eigenarbeite, mit dem 1952 begonnen wurde.

Einen Großbrand gab es am 6. Februar 1954, als die Doppelscheune Borhnütter/Stinner abbrannte. Obwohl die Schutzbacher Feuerwehr sofort zur Stelle war, mußten noch die Nachbarwehren aus Betzdorf, Biersdorf, Niederdreisbach und Daaden eingesetzt werden. Es gelang, den Brand unter Kontrolle zu bringen und das Vieh zu retten, ebenso die Nachbarschaft zu schützen.

Es war so kalt, dass die Schläuche and Uniformen und Händen festfroren.

Brand der Scheune Bornhütter/Stinner

Einen weiteren Waldbrand gab es am 13. August in der Gemarktung Schutzbach, der ebenfalls von der Schutzbacher Wehr bekämpft werden konnte.

Ein Schornsteinbrand war zu verzeichnen im Hause der Witwe Maria Bornhütter und ein Scheunenbrand am 19. April 1954 bei Heinrich Brenner.

Am 1. Weihnachtstag des gleichen Jahres wäre es um Haaresbreite zu einem Brand im Hause Walter Höfer gekommen. Eine Wand begann offentlichlicht durch Überhitzungzu glimmen.

Am 16. März 1959 gab es wieder einmal einen Waldbrand, und zwar oberhalb des Hauses Krumm; ein zweiter Waldbrand enstand kurz danach, durch zwei Jugendliche verursacht, wobei eine ganze Tannenkultur abbrannte.

Außer kleineren Bränden, die im Einzelnen nicht mehr verzeichnet sind, da die Chronik über das Jahr 1959 hinaus nicht mehr weitergeführt worden ist, gab es zwei größere Brände, und zwar am 9. Juli 1967 in der Teeranlage der Fa. Eiserfelder Steinwerke und im Frühjahr 1968 einen Waldbrand im Neubaugebiet "Bühnhardt".
Beide Brände wurden von der Schutzbacher Feuerwehr unter Kontrolle gebracht.

Da Helmut Weber auf die Dauer neben seinem Amt als Ortsbürgermeister und Amtsvertreter nicht auch noch das Amt des Brandmeisters ausüben konnte, trat er 1962 zurück. Sein Nachfolger als Brandmeister wurde Franz Zöllner, Ulrich Becker wurde Löschmeister.

Soweit die Ausführungen von Wilhelm Langenbach.

In der Chronik des Daadener Landes ebenfalls, verfasst von Amtsbürgermeister Wilhelm Langenbach, findet sich folgender Eintrag unter der Gemeinde Nisterberg:
"Das Jahr 1962 endete mit Frostwetter, das sich bis Januar 1963 hinein fortgesetzt hatte, bis -15C°, große Schneeverwehungen. Die Straßen nach Friedewald und Lautzenbrücken waren nicht mehr zu passieren. Zwei Tage keine Postzustellungen möglich. Am 20. Januar wurden die Feuerwehren von Daaden, Biersdorf, Derschen, Schutzbach Weitefeld und Oberdreisbach alarmiert und schaufelten gemeinsam mit der Einwohnerschaft von Nisterberg zwie Schneepflüge frei, die zwischen Wald und Dorf stecken geblieben waren. Die Landschaft hatte fast arktisches Aussehen."


Die Schutzbacher Feuerwehr im Jahre 1968

Träger der Feuerwehren waren bis 1975 die Ortsgemeinden. Eine einschneidende Änderung trat ein, als die Zuständigkeit für das Feuerwehrwesen per Gesetz den Verbandsgemeinden übertragen wurde. Im Zuge dieser Reform erfolgte eine Neugliederung der Feuerwehren.

Aus den selbständigen Ortsgemeinden wurden fünf Löschzüge gebildet. Diese Umstellung ließ sich allerdings nicht ohne Probleme durchführen.

Die Siegener Zeitung berichtete am am 24. Februar 1975:
"Mit der demonstrativen Niederlegung ihrer Ämter quittierten erbost die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Schutzbach, vom Brandmeister bis zum Feuerwehrmann, die Neuorganisation der Feuerwehren in der Verbandsbemeinde Daaden. Demnach soll die Schutzbacher Wehr dem Löschzug 5 (Niederdreisbach) zugeschlagen werden. Lediglich eine "Erstaustattung", so wurde der Wehr mitgeteilt, soll im Ort verbleiben. Dies bedeutet nach den in einer Wehrversammlung gegebenen Information, daß Schutzbachs Feuerwehrleute künftig ohne Fahrzeug werden!

Geschlossen protestierten sie gegen diese Regelung, die unweigerlich dazu führe, jede örtliche Eigeninitiative zu unterbinden, wie es im Blick auch auf die künftige Teilnahme der Bürger am Wettbewerb 'Unser Dorf soll schöner werden' hieß.

Bürgermeister Helmut Weber versuchte noch, im 'Interesse der Sache' die Wogen der Erregung zu glätten. Indes, die zur Beratung versammelten Feuerwehrmänner bleiben bei ihrem harten Entschluß.

'Unter diesen Umständen ist es für uns uninteressant, den ehrenamtlichen Dienst fortzusetzen, wenn wir wieder unter Verhältnissen wie im vergangenen Jahrhundert beginnen müssen', bekräftigten sie ihre Haltung.

'Damit wird dann die Feuerwehr endgültig zu Grabe getragen', meinte Bürgermeister Weber zur SZ"

Heute ist der Löschzug 5, bestehend aus der ehemaligen Ortsfeuerwehr Niederdreisbach, für den Brandschutz beider Gemeinden Niederdreisbach und Schutzbach zuständig.

Ilona Rosenkranz




weitere Infos zur Feuerwehr Schutzbach:


Von der Pflicht- zur freiwilligen Feuerwehr
aus "600 Jahre Schutzbach" von Langenbach, Wilhelm 1970

Historische Bilder
ehemalige Fahrzeuge



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